Kurzbericht: „Welche Integration, wie messen?“, DeZIM Abend-Lecture #2

Das im vergangenen Jahr gegründete Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung e.V. (DeZIM) veranstaltete am 25. Mai 2018 die 2. DeZIM Abend-Lecture. Im Jakob-und-Wilhelm-Grimm Zentrum in Berlin wurde – in Anlehnung an den jüngsten Koalitionsvertrag – diskutiert, wie Erfolge und Fehlentwicklungen von Integrationsprozessen in zunehmend pluralen Gesellschaften überwacht werden können.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Dr. Franziska Giffey. Sie betonte wie wichtig eine wissenschaftlich-fundierte Auseinandersetzung mit Integration sei, insbesondere in Zeiten, in der große Teile der Gesellschaft auf einen subjektiven Zugang zu dem Thema bauen.

Mit Inputvorträgen wurde ins Thema eingestiegen. Es wurden Ansätze vorgestellt wie man den Begriff Integration, seinen Anwendungsbereich und seine Reichweite fassen kann. Kategorisierungen von Gesellschaftsgruppen und Indikatoren die der Messung von Integration, u.a. bei dem vorhandenen Integrationsmonitoring der Länder bisher zugrunde liegen, wurden präsentiert und problematisiert. Dabei wurden sowohl statistische als auch soziale Problematiken thematisiert. Dr. Nevim Cil (Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration) wies darauf hin, dass man sich kritisch mit der Frage auseinandersetzen müsse, wer und was bei einer Messung sichtbar bzw. unsichtbar gemacht wird, u.a. um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Prof. Dr. Ruud Koopmans (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) verwies weiterhin auf den Einfluss von statistischen Gruppenzuschreibungen auf die Selbstklassifikation von gesellschaftlichen Teilgruppen und potentiell negativen Auswirkungen. Mögliche Konsequenzen dieser Art müssten eine zentrale Rolle bei Überlegungen zum Messen von Integration einnehmen.

Schließlich wurde die Theorie und Praxis des Integrationsmonitorings in einer Podiumsrunde weitergedacht. Dabei wurde Integration auch jenseits von Migration betrachtet und in einem weiteren Verständnis als Teilhabebegriff diskutiert. Mit dem Ziel einer Öffnung der Diskussion, wurden auch andere gesellschaftliche Gruppen, wie Frauen, Ostdeutsche oder sozio-ökonomisch schwache Gruppen gezielt in die Integrationsdebatte einbezogen.

Das breite Spektrum an geladenen Vortragenden und Diskussionspartnern aus Politik, Wissenschaft, Medien und Kunst sorgte für eine differenzierte Debatte zu der Frage: „Welche Integration, wie messen?“. Diese Frage/n ist/sind auch ausschlaggebend für die Evaluation im Bereich Integration und Migration. Wir danken den Veranstaltern und Veranstaltungsteilehmenden daher für wichtige Anregungen.